Ein Laufblog. Ausgerechnet jetzt.

Wieso gerade jetzt?

Ich bin Podcaster. Ich produziere Videos. Ich schneide Reels. Ich beschäftige mich regelmässig mit Fragen wie: «Welcher Titel funktioniert auf YouTube?» oder «Wie lang darf ein Instagram-Clip sein, bevor die Leute weiterscrollen?»

Und jetzt sitze ich hier und reaktiviere meinen Laufblog.

Einen Blog.

Die Älteren unter euch erinnern sich: So ein Ding, das man vor fünfzehn Jahren gemacht hat. Damals, als man Trainingsberichte ins Internet schrieb, die niemand brauchte, aber alle gerne gelesen haben.

Ich bin nicht mal sicher, ob das 2026 inzwischen als Kulturgut geschützt wird.

Doch vielleicht ist genau deshalb der richtige Zeitpunkt gekommen. In einer Woche werde ich am Knie operiert. Was danach kommt, weiss ich nicht. Genauer gesagt: Niemand weiss es. Der Plan für die Operation ist ungefähr so präzise wie die Wetterprognose für den «Swiss Alps 100» in eineinhalb Monaten.

Man wird erst während des Eingriffs sehen, ob der Meniskus noch genäht werden kann. Man wird sehen, wie stark der Knorpel tatsächlich beschädigt ist. Und man wird danach eine deutlich bessere Vorstellung haben als heute.

Eine Vorstellung. Keine Gewissheit. Das fällt mir schwer.

Ich bin Läufer. Wir Läufer mögen Pläne. Und ich liebe ganz besonders meine persönlichen Saisonpläne. Die grossen Herausforderungen. Ziele, an denen ich mich aufbaue.

Jetzt gibt es keinen Plan. Oder zumindest keinen mehr, auf den ich mich – Stand heute und schon gar nicht Stand morgen – verlassen könnte.

Vielleicht kann ich in Richtung Spätsommer oder Herbst zaghafte Laufversuche unternehmen. Vielleicht dauert alles länger. Vielleicht muss ich gewisse Ziele überdenken. Vielleicht entdecke ich neue.

Ich weiss es nicht. Und genau deshalb schreibe ich diese Zeilen.

Nicht, weil ich eine besonders spektakuläre Geschichte erzählen könnte. Sondern weil ich gerade selbst noch nicht weiss, wie sie weiter- geschweige denn ausgeht.

Dieser Blog soll keine Trainingsdokumentation werden. Mich interessieren vielmehr die Gedanken der nächsten Wochen und Monate. Die Zweifel. Die Fortschritte. Die Rückschläge. Die kleinen Siege, über die man normalerweise nicht spricht.

So viel steht fest: Der erste Erfolg nach der Operation wird kein Berglauf sein. Es wird vielleicht schlicht der Moment, in dem ich wieder schmerzfrei eine Treppe hinuntergehen kann.

Und vielleicht lerne ich in den kommenden Monaten mehr über das Laufen, als ich dies seit meinem «Karrierestart» vor mittlerweile einem Vierteljahrhundert gelernt habe.

Damals.

Als Laufblogs noch Zukunftsmusik waren.


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