Der Ultralauf 2026 heisst: Geduld

Was haben der Swiss Alps 100 mit dem traumhaften Aletsch-Gebiet sowie Passagen vorbei an Walliser Schwarznasenschafen und der Kölnpfad rund um die rheinische Metropole gemeinsam? Sie werden in der Ergebnisliste des Events hinter meinem Namen ein «DNS» aufweisen.

Klingt technisch. Fast harmlos. Als hätte man einfach vergessen, den Wecker zu stellen – oder ist am Morgen spontan lieber bei Kaffee und Gipfeli hängengeblieben.

In meinem Fall bedeutet «Did not start» im Laufjahr 2026 etwas anderes.

Nicht, weil die Lust fehlt.
Nicht, weil die Motivation weg wäre.
Sondern weil mein linkes Knie seit Monaten konsequent andere Pläne verfolgt als ich.

Begonnen hat das Ganze irgendwann Mitte Februar. Zuerst noch relativ unspektakulär. Ein Ziehen hier. Ein komisches Gefühl dort. Nichts, was man als Läufer nicht hervorragend verdrängen könnte.

Das MRI im März brachte dann etwas mehr Klarheit in die Sache. Meniskusverletzung. Knorpelschaden. Also genau diese Kombination an Begriffen, die man beim Arzt gerne hört, wenn man sich eigentlich gerade auf irgendwelche Ultratrails und Extremwanderungen vorbereiten wollte.

Danach begann die klassische Phase des kontrollierten Optimismus.

Konservative Behandlung.
Hyaluron-Spritze.
Schmerzmittel.
Bis hin zu Murmeltierfett.

Ohne «Jö»-Effekt. Denn irgendwo zwischen Sportmedizin und Alpen-Esoterik verliert man als Läufer irgendwann sowieso komplett die Orientierung.

Und natürlich die Laufversuche. Erst vorsichtig. Dann etwas mutiger. In der Ferienwoche wurde die Belastung auf den fantastischen Trails in Istrien langsam gesteigert. Prinzip Hoffnung. Vielleicht arbeitet das Knie ja mit.

Hat es letztlich nicht.

Stattdessen schwoll das Ding etwa ein Stunde nach der letzten Trainingseinheit derart an, dass irgendwann auch die letzte Diskussion mit sich selbst beendet war. Denn irgendwann kommt der Punkt, an dem man nicht mehr ehrlich sagen kann, dass alles nur Kopfkino sei.

Jetzt steht der Termin fest: 30. Juni, Knie-Arthroskopie.

Und danach keine Wettkampfvorbereitung. Kein Trainingsblock. Keine Tapering-Phase. Sondern Reha. Aufbau. Geduld.

2026 ist eventmässig gelaufen.

Aber nach der Operation starten wir den persönlichen Countdown – ganz im Sinne des abgelutschten «Come Back Stronger». Und falls der Aufbau gut verläuft, sind die nächsten Ideen übrigens längst irgendwo im Hinterkopf parkiert. Wahrscheinlich viel zu früh. Wahrscheinlich völlig irrational. Also eigentlich «Business as usual».

Bis dahin bleibt aber vor allem eines: Geduld.

Verbunden mit dem dumpfen Gefühl, dass genau diese Disziplin härter wird als jeder Ultra.


«Kölnpfad» und «Swiss Alps 100»: Beide Event-Organisatoren zu Gast bei LAUFMOMENTE


Entdecke alle Laufmomente

Melde dich für den Newsletter an, um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten.


Hinterlasse einen Kommentar