Warum eigentlich? Ist es eine ausgesprochene Sportlerkrankheit, stetig nach neuen Herausforderungen, nach neuen Zielen zu suchen? Mit dem bisher Erreichten zweifelsohne zufrieden – und dennoch irgendwo die Sehnsucht nach dem «Move to the next level»?
In diesem Herbst werde ich 50. Und so merkwürdig es tönt: Gerade in Sachen Laufsport hatte ich erstmals den Gedanken, dass da für allfällige Projekte und Ideen nicht mehr so wahnsinnig viel Zeit bleibt. Verrückt? Oder ein Funke Wahrheit?
Die Zielankunft auf Riffelberg Anfang Juli war gleichbedeutend mit dem zehnten Marathon-Finish. Ein stilles Jubiläum, da mir selbst – sonst um eine gehörige Portion selbstironischen Pathos nie verlegen – die runde Zahl erst im Nachhinein auffiel. Läuft alles wunschgemäss (und heilt die vor knapp zwei Wochen erlittene Bänderzerrung weiterhin so vielversprechend), steht am Tag vor dem halben Jahrhundert der Transruinaulta im Bündnerland auf dem Programm. Marathon Nummer elf. Wieder 42,195 Kilometer, bergauf und bergab. Trailrunning pur – eine neue Herausforderung, sprich «next level».
Und dann? 2018? Noch höher? Noch weiter? Vor ein paar Wochen habe ich mir in einer Basler Buchhandlung «Das grosse Buch vom Ultra-Marathon» gekauft. Der Autor, Hubert Beck, weiss, wovon er schreibt: Marathon des Sables, Ultra-Trail-Mont-Blanc, Yukon Arctic Ultra – und so weiter. Und so fort. Er ist sie gelaufen. «Entstanden ist das Buch aus einer Summe von Erfahrungen und Analysen als Läufer und als Trainer», heisst es gleich zu Beginn.
Seit Wochen hänge ich in den ersten Kapiteln fest: Grundsätzliches, Willenskraft, emotionale Stärke – und Spiritualität. «Gschpürsch mi, fühlsch mi?» Weit gefehlt. Spiritualität beim Ultralaufen soll weit mehr sein. «Wenn die Willenskraft und die physische Kondition ihre Grenzen erreicht haben, dann ist ein Weiterlaufen nur noch über die Freisetzung von inneren Kräften möglich», schreibt Hubert. «Die Seele trennt und distanziert sich von dem erschöpften Körper und dessen schwachem Willen.»
Läuferische oder mentale Durchhänger auf 42,195 Kilometern zu überstehen, sind reine Willenskraft. Sei es in München, Hamburg, Köln, sei es am Fusse des Matterhorns oder in der Rheinschlucht. Diese mentale Stärke bringe ich schon heute mit. Training auf Ultradistanz aber erfordert – nebst der physischen und mentalen Bereitschaft – auch ein hohes Zeitbudget. «Nicht jeder Marathonläufer eignet sich zum Ultraläufer», so Hubert; er rät zu einem fünfwöchigen Testtraining.
Noch habe ich mir dafür in meiner Terminplanung den nötigen Freiraum nicht geschaffen. Bin ich mit dem bisher Erreichten letzten Endes doch zufrieden – oder ist die Sehnsucht nach dem «Next level» schon bald einmal stärker?






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