Motiviert durch die lockeren Trainingsläufe der Woche war es ein spontaner Entscheid: Wettkampf-Comeback nach über einjähriger Pause – einfach mitlaufen, einfach geniessen. Was sich dann am Ostersamstag im Fricktal abspielt, ist geradezu unglaublich.
Ganz ehrlich? Es hatte sich ja irgendwie schon abgezeichnet. Am vergangenen Mittwoch beispielsweise: freies Training, letztlich 12 Kilometer, durchschnittliche Pace 5:31 Minuten. Unverkrampft. Locker. Flockig. Oder am Karfreitag: 600-Meter-Intervalle. Scheinbar mühelos. Also doch vom Ostersamstag ein paar Stunden opfern? Für einen Wettkampf – so mit Startnummer? Und Speaker?
Der 3. April 2016 war es, als ich mich nach 21,1 Kilometern in Freiburg durch das Halbmarathon-Ziel quälte. Es war gleichzeitig Startschuss zu einer mehrmonatigen Sportpause. Das Piriformis-Syndrom hatte gesiegt; an ein schmerzfreies Laufen war damals nicht zu denken.
Ein Jahr und zwei Wochen später dann ein Hin und Her im Kopf: Soll ich? Soll ich nicht? Kommt es zu früh, an einem Wettkampf auf Zeit zu laufen? Aber wann dann, wenn nicht in dieser beflügelnden Trainingsphase? Was aber, wenn der Schuss nach hinten losgeht? Ist das ein Dämpfer im Hinblick auf den Zermatt-Marathon vom 1. Juli? Viele «wenn», viele «aber».
Nachmeldung im Schulhaus in Eiken. Die Dame hinter dem Tisch trägt Hasenohren. «Osterlauf», heisst die Veranstaltung offiziell – wer die kurze Strecke von knapp sechs Kilometern läuft, nimmt am «Hasenlauf» teil. Kalt ist’s im Schulzimmer, draussen setzt Regen ein. Anmeldezettel (und Bargeld) gegen Startnummer, heute die 380. Kategorie M50. Premiere. Alter Hase, quasi.
Um 13.40 Uhr knallt der Startschuss. 10 Meilen, 16,1 Kilometer. Grand-Prix-Distanz. Keine Massenveranstaltung, aber auch keineswegs Feld-Wald-Wiese. Zuerst eine Runde über Oeschgen, zurück durchs Start- und Zielgelände – dann eine längere Runde Richtung Kaisten. Startnummer 380 versucht sich tempomässig einzupendeln: lässt Läufer ziehen, überholt auf der welligen Strasse Richtung Oeschgen aber auch bereits erste Konkurrenten. Selbst als Stadtbasler ist eine gehörige Portion Heimvorteil dabei: Acht Jahre lang, bis Herbst 2014, war das regelmässig mein Trainingsrevier – die Felder, die Wälder, die Wiesen.
Die Kilometerzeiten sind eigentlich zu schnell: 5:16, 5:21, 5:11, 5:19, 5:18 … vorbei an Start und Ziel. Doch es hoppelt sich locker. Und flockig. Und ganz weit im Hinterkopf reift in diesem Moment das Ziel, die bisherige persönliche 10-Meilen-Bestzeit zu unterbieten. 12 Jahre ist sie alt, 2005, ebenfalls beim «Grand Prix Fricktal» gelaufen: 1:30.47 Stunden. Unter eineinhalb Stunden bleiben? Das wäre ja ein Ding.
Kilometertafel 7 steht dann buchstäblich «im Schilf»: direkt neben der Sissle, aber viel zu weit hinten. Die Garmin Fenix 5X, die heute ihre Wettkampf-Feuertaufe erlebt, hat längst gepiept und vibriert. Das irritiert mich für einen Augenblick. Strecke falsch vermessen? Scheitert der vermeintliche Rekordlauf an einem Organisationsfehler?
Bei Kilometer 8 ist bereits wieder alles in Butter. Die Waldpassage beginnt: 5:17, 5:16, 5:20 … Kilometer 11, danach eine kurze Steigung, Wendepunkt. Auch die coupierten Abschnitte gelingen: 5:31, 5:28 … ja, es ist längst mehr als «einfach mitlaufen». Es ist ein Geniessen mit Hühnerhaut. 5:07, 4:59 … raus aus der Komfortzone. Und rein in den letzten Kilometer, der noch einmal so richtig wellig daherkommt.
Bei der kurzen Rampe auf die Autobahnüberführung keucht es, während die Startnummer 380 förmlich fliegt. Unter eineinhalb Stunden bleiben? Längst keine Frage mehr. Schlussspurt. 1:25.39 Stunden – mit einer Durchschnitts-Pace von 5:19 Minuten pro Kilometer das «Personal Best» um mehr als fünf Minuten verbessert.
Ein paar Stunden vom Ostersamstag geopfert. Für einen Wettkampf – so mit Startnummer. Und Speaker. Die perfekte Motivation im Hinblick auf den Zermatt-Marathon vom 1. Juli. Alter Hase eben.






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