Na, wer erinnert sich noch? An den Besuch beim Kinderarzt. Und als Belohnung fürs Tapfersein hat der graue Herr im weissen Kittel jeweils eine Dose geöffnet, aus der man sich mühsam ein einziges kümmerliches Goldfischli knübeln durfte. Dieser Knausrigkeit zum Trotz gibt es die Goldfischli (Nährwert: 20 Gramm Kohlenhydrate pro 30-Gramm-Packung!) noch heute – den Kinderarzt längst nicht mehr.
Heute war wieder so ein Goldfischli-Tag. Eigentlich. Physiotherapie mit Dry Needling, im Visier der Piriformis-Muskel und Konsorten. Der Therapeut: graue Haare, weisse Hosen.
Der Rahmen stimmt.
«Sind das die neuen Laufschuhe», fragt der Physiotherapeut.
«Ja, aber ich trage sie heute nicht zum Spass», erwidere ich.
«Wieso? Was ist passiert?»
«Zeh gebrochen.»
«Nein, so eine Scheisse aber auch.»
Noch während ich an Goldfischli (nur 4,5 Gramm Fett pro 30-Gramm-Packung!) denke und daran, dass mein Therapeut ja durchaus auch mal in die Rolle Psycho statt Physio schlüpfen könnte, liege ich auf seiner Liege und blinzle in die Sonne.
«So eine Scheisse aber auch …», wiederholt er.
Ich pflichte ihm nickend bei und blinzle ein weiteres Mal.
«Bei diesem Wetter», fügt er an.
«Ja-ha», denke ich mir bloss – jetzt ist aber langsam auch mal gut.
«Es gibt sicher Leute, die in solch einer Situation sicher auch etwas Positives sehen …»
Für einen Moment ist es ruhig. Spannung baut sich auf – ich blinzle.
«… ich nicht. So ein Zehenbruch ist doch einfach nur Scheisse», resümiert er.
Recht hat er, aber schweigen sollte er. Oder wie es der deutsche Fussballer Andreas Brehme einst mit einem seiner legendären linguistischen Fallrückzieher auf den Punkt gebracht hatte: «Haste Scheisse am Fuss, haste Scheisse am Fuss.»
Die Nadel hat der Anti-Motivations-Coach mittlerweile in meine Pobacke gesteckt. Sie ist heute nicht mehr als eine Randnotiz.
Und Goldfischli? Natürlich Fehlanzeige.
Quelle Vorschaubild Artikel:
Niklas Pivic/Flickr/CC und funny-frisch





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