Costa Concordia in Laufschuhen

Ja. Ja. Ja. Nein.

Ja, das Auskurieren einer Muskelverletzung benötigt Zeit.
Ja, die Hilfe in Person eines erstklassigen Physiotherapeuten ist da.
Ja, Kräftigung von Rumpf- und Beckenmuskulatur beschleunigt den Prozess (… und beugt so ganz nebenher künftigen Problemen vor).
Nein, der Testlauf über die viel zu lange Distanz war keine gute Idee.

So geschehen am vorvergangenen Sonntag. Plötzlich sind es knapp 60 anstatt der zuvor mit dem Physio abgesprochenen 20 bis 30 Minuten. Zum ersten Mal seit rund einem Monat wieder Laufschuhe geschnürt, totale Euphorie – und während der Belastung nur ein leichtes Ziehen gespürt. Aber danach? Die Hölle. Zurück auf Feld eins, der Kapitän verlässt (nicht nur sprichwörtlich) gebückten Hauptes die Brücke.

«Ja, die Läufer», schüttelt der Physio den Kopf und knetet den Pirifomis-Muskel aufs Neue. «Man gibt ihnen den kleinen Finger, aber …» – Ich unterbreche: «Ah, autsch, oh, ja, ich wei … ah …», stönt es demütig aus mir heraus.

Er, der Kneter und Moralist, zeigt mir im Wochenverlauf weitere Übungen, die primär eines untermauern: Meine Rumpf- und Beckenmuskulatur ist ein einziges Trauerspiel. Ob mit oder ohne Gewicht im Nacken: Es wackelt, es knickt ein, es schmerzt. Land unter! Ich bin die zu Fleisch gewordene Costa Concordia – ein wandelndes Wrack.

Das zu ändern, ist möglich. Doch noch befinde ich mich in einem Teufelskreis: Wo ist der Traumhafen, der mich zu regelmässigerem Kräftigungstraining motiviert? Der Blick durch das Fernrohr geht derzeit ins Leere.

Der Zermatt-Marathon von Anfang Juli ist Stand heute am Horizont jedenfalls nicht sichtbar, eine Art Utopie oder – besser – Seemannsgarn. Selbst an einen Halbmarathon in Freiburg Ende März mag ich irgendwie nicht so recht glauben, dafür ist der Wellengang derzeit zu hoch.

Der Bremgarter Reusslauf Ende Februar? Über 11 Kilometer flach? Oder doch vorerst lieber ganz auf Läufe verzichten? Der Kapitän des schlingernden Wracks versucht, das Koloss auf Kurs zu bringen. Schliesslich habe ich keine Lust, als Francesco Schettino des Laufsports in die Geschichtsbücher einzugehen.

Und einfach aussitzen wird dieses Mal buchstäblich ohnehin nicht klappen …

Fernrohr/ksmichel/Flickr
Noch ist die Zielsuche ohne Resultat geblieben. (Foto: ksmichel/Flickr/CC)

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5 responses to “Costa Concordia in Laufschuhen”

  1. […] 19. Januar 2015 unter Wechselzone // Costa Concordia in Laufschuhen […]

  2. […] war wieder so ein Goldfischli-Tag. Eigentlich. Physiotherapie mit Dry Needling, im Visier der Piriformis-Muskel und Konsorten. Der Therapeut: graue Haare, weisse […]

  3. […] auch zwei Mal wöchentlich ein einstündiges Training zum Aufbau der Tiefenmuskulatur (Stichwort: Stabilisierung von Rumpf, Becken und Rücken), abgerundet durch eine wöchentliche Ölmassage in gediegener Hamam-Landschaft. Hüstel, […]

  4. […] Frischluft- und Freiland-Bike, zwei Personal Trainings im Fitnessstudio (mein persönlicher Kampf «Pro Rumpfstabilität») – und das heutige […]

  5. […] Dauerlauf. Ausdauer. Und alles gepaart mit mehr Kraft. Viel mehr Kraft. Und Stabilität. Die «Costa Concordia in Laufschuhen» war gestern. Nichts mehr von […]

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